ISFA World Cup Utrecht 2026 – Bosnien ist Weltmeister
28 Nationen, drei Tage und ein neuer Weltmeister: Beim ISFA 3v3 World Cup 2026 in Utrecht holte Bosnien und Herzegowina den Titel vor Lettland. Japans Überraschungslauf, Lettlands emotionales Comeback und Angolas spektakuläre Show machten die WM zu mehr als nur einem Turnier.
Zwei Jahre nach der ersten offiziellen 3v3-Weltmeisterschaft in Riga traf sich die internationale Street-Football-Szene vom 2. bis 4. September 2026 in Utrecht. 28 Nationen spielten am Jaarbeursplein um den Weltmeistertitel. Drei Tage lang ging es um Tempo, Technik, Emotionen und unterschiedliche Street-Football-Kulturen. Am Ende krönte sich Bosnien und Herzegowina zum neuen Weltmeister, doch der Weg dorthin schrieb mehrere Geschichten, die weit über das Finale hinausgingen.
Die Gruppenphase setzt den Ton
Vier Gruppen mit jeweils sieben Teams machten bereits die Vorrunde zu einem Härtetest. Serbien blieb in Gruppe A über sechs Spiele ungeschlagen und ging als Gruppensieger in die K.o.-Phase. Auch Kolumbien setzte mit sechs Siegen aus sechs Spielen ein Ausrufezeichen. Österreich überstand die ausgeglichene Gruppe B und erreichte das Achtelfinale, wo gegen Finnland nach einem knappen 0:1 Schluss war. Schon in der Gruppenphase wurde deutlich, wie eng die Spitze international zusammengerückt ist.
Japan beendet Serbiens ungeschlagenen Lauf
Japan schrieb eine der stärksten Geschichten der K.o.-Phase. Nach dem 2:1 gegen Italien wartete im Viertelfinale Serbien, das bis dahin noch kein Spiel verloren hatte. Japan gewann das Duell mit 1:0 und beendete damit den Lauf des Gruppensiegers. Im Halbfinale war Bosnien und Herzegowina zu stark, doch Japan reagierte erneut und sicherte sich mit einem 2:1 gegen Kolumbien den dritten Platz. Technik, Ruhe und Konsequenz machten den japanischen Weg bis aufs Podium zu einem der prägenden Momente der WM.
Schreckensmoment für Zans und Lettlands unglaublicher Lauf
Im Achtelfinale gegen die niederländischen StreetKings kam es für Lettland zum Schreckensmoment. Zans Borisenoks verletzte sich schwer und konnte im weiteren Turnier nicht mehr spielen. Für das Team hätte dieser Ausfall zum Bruch werden können, doch Lettland rückte noch enger zusammen. Nach dem Sieg gegen die Niederlande folgten Erfolge gegen Finnland und Kolumbien, womit sich das Team bis ins Finale spielte. Was mit einem Schreckensmoment begann, entwickelte sich fast zu einer märchenhaften Comeback-Story. Beim 3:4 gegen Bosnien und Herzegowina fehlten nur 7 Sekunden zum Happy End. Kurz vor Schluss gelang Bosnien der Ausgleichstreffer und der MVP des Turniers Dejan Zivkovic war im 1 gegen 1 nicht zu bezwingen.
Bosnien und Herzegowina krönt sich zum Weltmeister
Die Gruppenphase von Bosnien und Herzegowina verlief nicht ohne Rückschläge, doch in der K.o.-Phase steigerte sich das Team von Runde zu Runde. Auf ein 3:0 gegen Frankreich folgte ein enges 1:0 gegen Dänemark. Im Halbfinale setzte sich Bosnien mit 4:1 gegen Japan durch und traf im Endspiel auf Lettland. Das Finale entwickelte sich zu einem offenen Schlagabtausch, den Bosnien mit 4:3 für sich entschied. Damit ging der zweite offizielle ISFA 3v3-Weltmeistertitel nach Bosnien und Herzegowina.
Pelo Tada bringt Angolas Spielgefühl auf die Weltbühne
Neben Ergebnissen und Platzierungen blieb Angola mit dem Team Pelo Tada besonders in Erinnerung. Das Team brachte eine ungezwungene, expressive Form des Street Football auf den Court. Tricks, improvisierte Lösungen, Rhythmuswechsel und die sichtbare Freude am Spiel machten jeden Auftritt zur Show und zogen das Publikum mit. Pelo Tada zeigte, dass Street Football viel mehr ist als Taktik und Resultate. Es geht auch um Persönlichkeit, Kreativität und den Mut, frei zu spielen. Genau diese Vielfalt macht die internationale Street Football Szene so besonders, und ich durfte sie selbst hautnah erleben. Nachdem ich die ersten beiden Tage fast ohne Pause gemeinsam mit meinen Kommentatorenpartnern Josh Dean von Talento New York und Jack Downer aka Street Panna den Livestream kommentiert hatte, ging es für mich plötzlich selbst auf den Court. In einem Showmatch durfte ich gegen Pelo Tada antreten.
Es war unglaublich lustig, gleichzeitig aber auch beeindruckend und stellenweise fast beängstigend zu erleben, wie schwer die Showboat Moves der Angolaner zu verteidigen sind. Ich wurde selbst getunnelt, konnte aber zumindest auch einen Panna verteilen. Zugegeben, meiner war bei weitem nicht so spektakulär und demütigend wie jener, den ich kurz zuvor selbst kassiert hatte.
Die Spieler an der Spitze
Bei den individuellen Statistiken ragten einige Spieler besonders heraus. Bewusst bleiben wir bei den ersten fünf Namen der beiden Wertungen.
Topscorer
- 1Dejan ZivkovicBosnien und Herzegowina17 Tore
- 2Santino JurisicKroatien10 Tore
- 2Arsen KnezevicBosnien und Herzegowina10 Tore
- 4Emil ScottDänemark9 Tore
- 4Nenad KudricSerbien9 Tore
Top Assists
- 1Mohammad AhmadiFinnland6 Assists
- 2Dejan ZivkovicBosnien und Herzegowina5 Assists
- 2Arturs GorodnickisLettland5 Assists
- 2Jacob CorneliusenDänemark5 Assists
- 2Milos MilijasevicBosnien und Herzegowina5 Assists
Utrecht 2026 zeigte, wie stark sich 3v3 Street Football seit der ersten Weltmeisterschaft in Riga weiterentwickelt hat. Bosnien und Herzegowina holte den Titel, Lettland schrieb trotz eines schweren Rückschlags eine außergewöhnliche Geschichte, Japan überraschte bis aufs Podium und Pelo Tada erinnerte daran, dass Street Football immer auch Ausdruck und Kultur ist. Für uns bleibt vor allem die Erkenntnis, dass die Szene dann am stärksten ist, wenn Wettbewerb, Kreativität und Community auf derselben Bühne Platz haben.